 

Agility
Agility ist eine relative junge Sportart.
Es ist ursprünglich als "Pauseneinlage" bei einem Pferde-Springturnier
entstanden: Hundeführer zeigten, wie ihre vierbeinigen Freunde die
Pferdehindernisse (natürlich etwas weniger hoch gestellt) überwinden
können.
Daraus wurde ein Hundesport, der regel-recht boomt. Agility macht Hunden
und Menschen gleich viel Spaß. Dabei wird das Team (Hund/Hundeführer)
wie bei kaum einer anderen Aktivität "zusammenge-schweißt".
Der Hund lernt, auf kleinste Hilfen seines Führers in der Sekunde
zu reagieren. Mittlerweile bieten zahlreiche Hundeausbildungsstätten
auch Agility-Training an. Dort erhält man meist auch das sog. Agility-Leistungsheft,
in welches sämtliche Turnierergebnisse eingetragen werden. Ab dem
18. Lebensmonat und der Zugehörigkeit zu einem ÖKV-anerkannten
Verein ist der Hund – bei vorausgesetzter guter Gesundheit –
startberechtigt.
Es
sollte aber stets selbstkritisch bedacht werden, welche Ziele man letztlich
mit Agility verfolgen möchte. Da diese Sportart einen regelrecht
in Besitz nehmen kann, ist es leicht möglich, daß am Ende nicht
mehr die gemeinsame Aktivität oder der Spaß an der Freude dominiert,
sondern Zahlen, Fakten und Ranglisten. Und das könnte zu Lasten des
eigenen Hundes gehen. Ein feinfühliges Wahrnehmen der eigenen Motivationen
und der Motivationen des Hundes sollten somit selbstverständlich
sein.
Bei Agility gibt es verschiedene Hindernisse, die in einem Parcours im
Kampf mit der Zeit zu bewälti-gen sind. Hier ein paar kurze Erläuterungen:
Primär gibt es drei Größenklassen für den Hund:
small, medium und large (wohl die größte Gruppe). Als zusätzliche
Klasse gibt es hier noch die Oldies (ab sieben Jahren). Daneben gibt es
drei Leis-tungsklassen: LK1 bis LK3.
Ein
Hund startet also dauerhaft (außer der Hund wird altersbedingt zum
Oldie) in einer Größenklasse und kann sich von LK1 (Starterkategorie)
bis zu LK 3 hinaufarbeiten. Zum Aufstieg etwa von LK1 zu LK2 benötigt
man z.B. drei Agility-Läufe ohne Fehler und ohne Zeitüberschreitung
(von mind. zwei unterschiedlichen Richtern bewertet).
Bei Agility-Turnieren, die übrigens das ganze Jahr über stattfinden
(also sowohl im Freien als auch in der Halle), gibt es einerseits sog.
Ortsgruppenprüfungen (eher kleinere Turniere) als auch größere
Cupturniere, Meisterschaften usw. Während Ortsgruppenprüfungen
meist nur einen Agility-Lauf anbie-ten (viell. zusätzlich noch einen
Fun-Lauf), bestehen Cupläufe oder größere Turniere aus
einem A(gility)-Lauf und einem J(umping)-Lauf. Der Jumging-Lauf ist wesentlich
schneller, enthält allerdings keine Kontaktzonengeräte (also
z.B. Wippe). Für einen Aufstieg in der Leistungsklasse werden jedoch
nur Agility-Läufe (keine Jumping-Läufe) herangezogen.
Richtwert
für die Zeitmessung ist die sog. „Standard-Zeit“. Sie
errechnet sich (primär) aus der Parcourslänge und den jeweiligen
Klassen der Hunde. Sie sollte auf jeden Fall unterschritten werden. Liegt
man über der Standard-Zeit, wird die Überschreitung zu den Fehlerpunkten
addiert, und zwar im Ausmaß der Zeitüberschreitung. Liegt die
S-Zeit z.B. bei 60 Sekunden und man läuft fehlerfrei, aber mit 63,25
Sekunden, so erhält man am Ende eine Fehlerbilanz von 3,25. Liegt
man über der Maximal-zeit (Höchstzeit), bedeutet dies eine Disqualifikation.
Ziel eines Parcourslaufs ist es, sowohl ohne Fehler als auch ohne Zeitüberschreitung
durchzukommen – und wenn möglich am schnellsten zu sein. Jeder
Fehler und jede Verweigerung schlagen mit jeweils 5 Strafpunkten zu Buche.
Sehr schwere Fehler, etwa das Einfädeln beim Slalom von der falschen
Seite, führen zur Disqualifikation. Eine Dis. sollte einen aber auf
keinen Fall entmutigen, denn eine solche kommt immer wieder vor. Weder
Mensch noch Hund sind Maschinen. Und zuerst sollte man die eventuelle
Fehlersuche beim Menschen beginnen: Was habe ich falsch gemacht? Was kann
ich besser machen? Lebewesen sind stets fehleranfällig!
Zu
den einzelnen Geräten.
Hürde
der Hund muß die aufgestellten Hürden (oft mehrere hinter-
bzw. nebeneinander) in der richtigen Rei-henfolge von der richtigen Seite
überwinden (Größe je nach Größenklasse des
Hundes: 30, 40 oder 60 cm). Neben den Standardhürden gibt es auch
abgewandelte Formen (Hürdenkombinationen, Viadukt, Mauer)
Fester
Tunnel
Eine "Röhre", die meist zu einem „U“ oder „L“
gebogen ist, muß vom Hund durchlaufen werden. Der Tunnel stellt
meist keine große Herausforderung an den Hund dar. Schwieriger wird
es freilich, wenn ein Parcours so gestaltet ist, daß z.B. ein Tunneleingang
ganz eng neben einem anderen Gerät auf-gestellt ist. Hier sind dann
Fehler beinahe vorprogrammiert.
Folientunnel (auch Sacktunnel oder Stofftunnel genannt)
Der Tunnel ist nur am Anfang fixiert (fester Eingang), während dahinter
eine Kunststoffplane am Boden liegt. Der Hund muß sich also seinen
Weg durch die Folie bahnen. Achtung: Zu Beginn gehen Hunde häufig
zwar brav in den Tunnel, wollen sich dann aber nicht „durchgraben“.

Reifen
Ein Reifen, meist eine Art Autoreifen, ist in einem Rahmen eingespannt.
Der Hund muß durch den Reifen durchspringen. Nicht selten ziehen
Hunde eine andere Hindernisbe-wältigung vor (daneben vorbei oder
unten durch). Das muß ausgiebig geübt werden.
Slalom
Das ist wahrscheinlich das schwierigste Hindernis. Meist besteht er aus
12 Stangen mit gleichmäßi-gem Zwischenraum. Der Hund muß
(möglichst schnell) – auf der rechten Seite beginnend –
durch die hintereinander aufgestellten Stangen, ohne eine Stange auszulassen.
Fädelt der Hund von der fal-schen Seite ein, gibt es eine Disqualifikation.
Fädelt er während des Durchquerens aus, bedeutet dies einen
Fehler und der Hund muß entweder zu der ausgelassenen Stange zurück
und dort „richtig“ weitermachen oder an den Anfang des Slaloms
(was meist einfacher ist). Viele Hunde haben mit dem Slalom auch im fortgeschrittenen
Training Schwierigkeiten. Im Frühstadium bieten zahlreiche Trainingsplätze
auch sog. V-Slalom an, also solche, bei denen – wie ein V –
die Stangen zunächst ausei-nandergespreizt sind und erst allmählich
immer weiter aufgerichtet werden, bis alle Stangen vertikal ausgerichtet
sind. Das hilft dem Hund am Anfang des Trainings leichter durchzukommen
und ein Gefühl für das Hindernis zu entwickeln.
Kontaktgeräte: Wippe, A-Wand, Laufsteg
Wippe
Der Hund muß über eine Wippe laufen. Wenn diese umkippt, darf
er nicht einfach abspringen. Es gibt auf beiden Enden eine bemalte „Zone“,
die sogenannten Kontaktzonen. Diese müssen unbedingt berührt
werden, ansonsten gibt es Strafpunkte. Man sollte bei diesem Gerät
auf jeden Fall Ruhe wal-ten lassen. Etliche Hunde zeigen hier besondere
Unsicherheiten: das Gerät bewegt sich! Was passiert da? Gerade schlechte
Erfahrungen mit der Wippe können dazu führen, daß Hunde
es vorziehen, die-se zu meiden. Außerdem „fühlt“
sich das Gerät für kleine Hunde anders an als für große,
da die Be-wegungsmechanismen jeweils andere sind: Beim kleinen Hund geht
die Wippe erst sehr viel später wieder hinunter, bei großen/schweren
hingegen kann die Wippe heftig „runterklatschen“. Das Gerät
sollte für den Hund jedenfalls positiv besetzt werden (auch mit Leckerli,
Spiel oder was auch immer dem Hund Spaß macht).
A-Wand
Zwei breite Rampen, die einen 90-Grad-Winkel (bei Agility-Größe
„large“) bilden, müssen vom Hund überwunden werden.
Dabei sind wiederum die beiden Kontaktzonen zu berühren. Häufigster
Fehler ist das vorzeitige Abspringen des Hundes auf der zweiten Seite
der Wand. Um dies zu verhindern, gibt es unterschiedliche Strategien.
Hier lasse man sich vom zuständigen Trainer beraten.
Laufsteg
(auch Hochsteg genannt)
Der Laufsteg ist eine Art erhöhte Brücke und besitzt einen längeren
Aufstieg, einen waagrechten Rampenteil und einen gleichlangen Abstieg.
Sowohl beim Auf- als auch beim Abstieg befinden sich wieder die beiden
Kontaktzonen. Auch hier liegt das häufigste Problem beim Berühren
der Abstiegszone, da der Hund meistens schon „eilig“ weiterlaufen
möchte und dann einfach „abspringt“ (was einen Fehler
bedeutet). Auch hier gibt es unterschiedliche Vermeidungsstrategien. Wie
bei der Wippe kann auch der Laufsteg dem Hund Unsicherheit vermitteln,
da er einerseits relativ hoch (ca. 120 cm) und andererseits relativ schmal
(ca. 35 cm) ist. Hunde, die mit dem Laufsteg unangenehme Erfahrun-gen
gemacht haben (heruntergefallen, danebentappen), brauchen oft einige Zeit,
bis sie sich wieder drüberwagen. Man sollte auf jeden Fall (wie bei
der Wippe) sehr positive Assoziationen für den Hund damit verbinden.
Eine Hilfe ist hier sicherlich – was auch ganz unabhängig
davon gilt –, wenn Hunde von klein an mit ganz unterschiedlichen
Untergründen und Geländesituationen vertraut werden. Steine,
Gehölze und Bäume, vor allem ganz verschiedene Brücken
oder Übergänge, verschiedenste Matten usw. sind hier hilfreich.
Ein von Jugend an mutiger Hund, der auch zum Muthaben animiert wurde,
hat es später leichter. Häufig sind diese Hunde robuster, so
daß kurzfristige Negativerfahrungen (z.B. bei einzelnen Geräten)
keine bleibenden Verunsicherungen hinterlassen und sie diese einfach „wegstecken“.
Außerdem erlernen Hunde dadurch ein Gefühl für Balance
und Gleichgewicht.
Weitsprung
4 - 5 in gleichem Abstand am Boden liegende Elemente (sehen aus wie Treppchen)
müssen ohne Berührung übersprungen werden. Die Länge
des Weitsprungs richtet sich nach der Größenklasse des Hundes,
bei Large-Hunden beträgt der Gesamtabstand 120-150 cm. Beim Training
beginnt man mit kleinen Abständen und arbeitet sich langsam vor.
Später dürfte das für den Hund kein besonderes Problem
darstellen.
Tisch
Auf dem Tisch muß der Hund 5 Sekunden in einer vom Richter vorgegebenen
Stellung (Sitz, Steh oder Platz) verweilen. Gar nicht so leicht, wenn
es vorher und nachher um Tempo geht. Aber: Der Tisch wird bei Turnieren
eher seltener gefordert und vornehmlich als Schlußpunkt eines Parcours
plaziert.
(Andreas Klein, dr@andreasklein.at)
© 1998-2009 by Australian Shepherds of Austria (ASA)
Stand: 02.2009
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